40 Jahre Verein für Waldorfpädagogik Eschwege e. V.
Alles begann mit einer Vision: Eine Gruppe engagierter Eltern wünschte sich für ihre Kinder eine pädagogische Alternative, die den Menschen in seiner Ganzheit betrachtet und Raum für eine individuelle Entwicklung schafft.
Am 22. September 1986 gründeten sie den Verein für Waldorfpädagogik Eschwege e. V. und legten damit den Grundstein für eine Gemeinschaft, die bis heute lebendig ist.
Der Weg zur eigenen Waldorfschule sollte allerdings länger dauern als zunächst gedacht. Den Anfang machten Spielgruppen und ein Waldorfkindergarten. Im Alten Bahnhof von Eschwege fanden sich geeignete Räume, die mit viel Eigeninitiative und gemeinsamer Arbeit hergerichtet wurden. Neben den pädagogischen Angeboten entstand ein reges Gemeinschaftsleben mit Festen, künstlerischen Kursen und gemeinsamen Aktivitäten. 1989 erhielt der Kindergarten seine offizielle Betriebserlaubnis, 1992 folgte die Anerkennung durch den Verband der Waldorfkindergärten.
Der Wunsch nach einer eigenen Schule blieb bestehen. Nach intensiver Vorbereitung und mit Unterstützung erfahrener Waldorfpädagoginnen und -pädagogen konnte die Freie Waldorfschule Werra-Meißner 1997 schließlich ihre Türen öffnen. In der ehemaligen Döhle-Villa in der Brückenstraße begann der Unterricht zunächst mit den Klassen eins bis vier. Jahr für Jahr wuchs die Schulgemeinschaft.
Mit zunehmender Schülerzahl entstand der Wunsch nach mehr Raum. Auf dem Gelände in der Eisenbahnstraße sollte nach den Plänen des Architekten Max von Trott ein kleines Waldorfdorf entstehen. 2004 wurde das neue Schulgebäude für die unteren Klassen eingeweiht, ein Jahr später folgte das Gartenbauhaus. Auch der Alte Bahnhof wurde umfassend restauriert und bot fortan Platz für den Kindergarten und die höheren Klassen.
Im Kindergarten entstand zusätzlich eine Wiegestube für Kinder unter drei Jahren.
Die Entwicklung verlief nicht immer ohne Schwierigkeiten. Nach dem ersten Abitur im Schuljahr 2008/2009 führten sinkende Schülerzahlen zu finanziellen Herausforderungen. Die Schulgemeinschaft musste neue Wege finden und entwickelte ein verändertes pädagogisches Konzept. In Zusammenarbeit mit dem Hofgut Weiden gewann das praktische Lernen in und mit der Natur an Bedeutung. Daraus entstand der „Grüne Faden“, der die ökologische Bildung bis heute durch die verschiedenen Klassenstufen begleitet.
Die Schule führt seit dieser Neuausrichtung bis zur zehnten Klasse und ermöglicht staatlich anerkannte Abschlüsse. Eine anschließende Fortsetzung der Waldorfschullaufbahn bis zum Abitur ist durch die Zusammenarbeit mit der Waldorfschule Kassel möglich.
Die Puppentheaterwochen der Eschweger Puppenbühne im Frühjahr, der Kunst- und Töpfermarkt im Frühling, das Hofschulfest im Spätsommer sowie der Martinsmarkt im Herbst sind über viele Jahre zu festen Bestandteilen des Vereinslebens geworden. Sie machen die Waldorfgemeinschaft über die Schule und den Kindergarten hinaus sichtbar und haben vielen Kindern und ihren Familien in den vergangenen Jahren schöne gemeinsame Erlebnisse ermöglicht.
Der Strickclub der Waldorfschule trifft sich seit 2008 regelmäßig im Handarbeitsraum im Alten Bahnhof. Dort entstehen jährlich rund 300 gestrickte Mützen für Neugeborene in Eschwege und Bad Sooden-Allendorf und weitere gestrickte oder gehäkelte Stücke. Darüber hinaus unterstützt die Gruppe verschiedene kreative Projekte mit Kunstwerken aus Wolle. Auch in den vergangenen zehn Jahren haben sich Kindergarten und Schule weiterentwickelt. Im Waldorfkindergarten wurden die bisherigen Gruppenstrukturen verändert: An die Stelle der Wiegestube und der Kindergartengruppe traten zwei altersübergreifende Gruppen, in denen jüngere und ältere Kinder gemeinsam betreut werden.
Eine weitere wichtige Veränderung betraf die interne Organisation des Vereins. Um dem Gedanken der Selbstverwaltung, der fest in der Waldorfpädagogik verankert ist, stärker Rechnung zu tragen, wurden neue Leitungsstrukturen geschaffen. An die Stelle einer einzelnen Geschäftsführung trat ein Leitungskreis, dem der Vorstand gemäß Satzung die Verantwortung für die laufenden Angelegenheiten übertragen hat.
Auch die schulische Leitung wurde neu organisiert: Statt einer einzelnen Schulleitung übernimmt aktuell ein vom Lehrerkollegium gewähltes Schulleitungsteam gemeinsam die Verantwortung.
Neben diesen organisatorischen Veränderungen richtet sich der Blick auch auf die räumliche Zukunft. Geplant ist eine Erweiterung des Gebäudes in der Eisenbahnstraße, um zusätzliche Räume für den Hort sowie neue Klassenräume zu schaffen und damit den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen noch besser gerecht zu werden.
Heute sind der Waldorfkindergarten und die Freie Waldorfschule Werra-Meißner feste Bestandteile der Bildungslandschaft im Werra-Meißner-Kreis. Vier Jahrzehnte nach der Vereinsgründung zeigt sich, wie aus einer Elterninitiative eine beständige Gemeinschaft entstanden ist, die sich immer wieder neuen Herausforderungen stellt.








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